www.klosterlangwaden.de - Spiritueller Impuls für Juni 2010
URL: www.klosterlangwaden.de/spirituellerimpuls/38-juni2010.html (Druckversion)
Ausdruck vom 06.02.2012 01:56 Uhr, erstellt am Donnerstag, den 24. Juni 2010 um 13:12 Uhr, zuletzt geändert am Zuletzt aktualisiert am Montag, den 04. Oktober 2010 um 09:08 Uhr
Spiritueller Impuls für den Juni 2010
Zwischenbilanz
Es liegt eine schwere Zeit hinter der Kirche nach diesem ersten Halbjahr. Fassungslosigkeit und Sprachlosigkeit, Wut und Enttäuschung waren vielfach die Folge. Langsam kehren wieder klare Gedanken ein, werden Worte gefunden und es wird begonnen zu handeln.
Drei wichtige Haltungen aus unserer Mönchstradition möchte ich für eine gute weitere Entwicklung vorstellen. Wir brauchen Beharrlichkeit, Beweglichkeit und Bescheidenheit.
Für das Mönchtum ist Beharrlichkeit eine wichtige Eigenschaft: an einem Ort und in einer Gemeinschaft ausharren: Stabilitas. Dahinter steckt die Erfahrung, dass man mit einem Ortwechsel und Gemeinschaftswechsel leicht Gefahr läuft, vor sich selbst und seinen Problemen wegzulaufen. Die Evangelien und auch die Apostelgeschichte berichten uns, dass die Jünger Jesu in schwierigen Zeiten immer zusammen geblieben sind. Und es ist auffällig, dass der auferstandene Herr immer dort erscheint, wo mehrere beisammen sind: seien es auch nur zwei Jünger, wie auf dem Weg nach Emmaus, sei es eine größere Gruppe, wie beim wunderbaren Fischfang oder seien es alle Apostel wie am Pfingsttag. Die Beharrlichkeit in der Gemeinschaft ist sehr wichtig, weil gerade die Gemeinschaft der Glaubenden Nährboden für den Glauben und das Wirken des Heiligen Geistes ist. Und immer wieder kann man – entgegen dem verstärkten Trend der Kirchenaustritte – Menschen begegnen, die wieder in die Kirche eintreten, weil sie dort etwas Wesentliches finden, dass es außerhalb der Gemeinschaft der Kirche nicht gibt. So trat auch in Langwaden am Pfingstmontag ein Mann wieder in die Kirche ein. Beharrlichkeit in der Gemeinschaft heißt aber nicht, dass alle dieselbe Meinung haben müssen, wie die Apostelgeschichte beredt erzählt. „Auftreten, nicht austreten“ – diese Mahnung der kritischen Initiative Wir-sind-Kirche zitierte sogar der radio-vatikan-newsletter am 02.05.2010. Wer sich mit seinen Gaben in die Kirche einbringt, kann etwas ändern. Und damit sich etwas ändern kann, brauchen wir die Beweglichkeit.
Die Kirche ist ein großes Vorbild für Beweglichkeit. Sie hat die Grenzen aller Länder und Sprachen überwunden und im Glauben miteinander verbunden. Sie ließ sich durch nichts und niemanden aufhalten. Neben dieser äußeren Beweglichkeit braucht es jedoch gerade jetzt die innere Beweglichkeit. Die Grenzen der geografischen Welt sind erreicht, nun heißt es die Grenzen der verschiedenen Denkwelten zu erreichen. Wir müssen die Grenzen unseres eigenen geistigen Horizonts überwinden, zu fernen Ufern aufbrechen und uns auch aufeinander zu bewegen. Wir brauchen Beweglichkeit. Die Benediktsregel spricht hier von klösterlichem Lebenswandel. Er hält uns beweglich bei unserer Suche nach Gott und beim zusammenwachsen als Gemeinschaft.
Nach den schockierenden Ereignissen, die in den letzten Monaten offenbar geworden sind, haben wir als Kirche allen Grund bescheiden zu sein. Es ist an der Zeit, Taten und nicht Worte sprechen zu lassen. Bescheidenheit ist angesagt. Oder wie es die Regel Benedikts mit einem einzigen Wort ausdrückt: Demut. Dann findet die Kirche wieder zu Gott und wird glaubwürdig für die Menschen.
Wenn uns Beharrlichkeit, Beweglichkeit und Bescheidenheit im zweiten Halbjahr begleiten, dann wird die Gemeinschaft unserer Kirche wenn auch nicht gleich in ruhigere so doch zumindest in klarere Fahrwasser kommen. Die Jahrtausende alte Erfahrung der Mönche mit den Haltungen der Beständigkeit, des klösterlichen Lebenswandels und der Demut zeigen es uns.
Den spirituellen Impuls für den Juni 2010
schrieb Pater Bruno Robeck OCist
| < Zurück | Weiter > |
|---|
Zisterzienser Langwaden
Postfach 200 320
41496 Grevenbroich
Tel.: 02182/88 02 – 0
Fax: 02182/88 02 – 22 (Prior)
Fax: 02182/88 02 – 33 (Netzwerk Mensch)
E-Mail
