Gemachte Freude
In diesen Tagen und Wochen sind Karnevalsveranstaltungen - auch besonders in Pfarrgemeinden - in vollem Gang. Einige stellen sich die Frage: Muss die Kirche da mitmachen oder sollte sie sich vornehm zurückhalten? Muss der Pfarrer bei der Pfarrfastnacht unbedingt dabei sein? Oder ist der Glaube etwas so Ernstes, dass Humor in der Kirche keinen Platz hat?Es gilt aber: Humor ist eine christliche Tugend, die Menschen wie den hl. Thomas Morus bewogen haben, Gott um Sinn für Humor zu bitten und um "die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile".
Das Wort "Evangelium" bedeutet exakt "Frohe Botschaft". Was ist das aber für eine Freude, die das Evangelium ausmacht? Roger Schutz, der ermordete Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, hat die Freude des Evangeliums einmal als die "Frische des Evangeliums" bezeichnet, d.h. "es ist Warten auf Gott. Es ist Leben aus der Dynamik des Heute. Es ist ständige Rückkehr zu den Quellen. Es ist Versöhnung". Man kann auch an glaubensfrohe Menschen, die wie Don Bosco oder Philipp Neri denken, die das Evangelium im Alltag der Menschen gelebt haben oder auch an Franziskus, der durch seine Spiritualität der Geschwisterlichkeit mit der ganzen Schöpfung bis heute viele Menschen - besonders junge - fasziniert. Freude im Sinn des Evangeliums ist also nicht oberflächlich, sondern geht in die Tiefe. Ein in Christus froher Mensch lebt aus einer inneren Zuversicht heraus, die nicht in Worte zu fassen ist. Ein solcher Mensch kann gelassener, zufriedener und lebensfroher seinen Alltag gestalten, weil wer weiß, dass die Welt - was auch passiert - zu einem guten Ende kommen wird. Das meint die innere Freude des Evangeliums: eine gläubige Gelassenheit angesichst der Erlösung der Welt durch Christus.
Freude in der Bibel hat nichts zu tun mit dem oberflächlichen "Fun", wie ihn unsere Gesellschaft häufig als Ideal uns vorstellt. Biblische Freude muss durch das Leid hindurchgegangen sein. Die Gestalt des weisen Ijob kann uns nicht nur als Beispiel dafür dienen, wie man gedulig und tapfer mit dem Leid umgehen kann, sondern wie man auch in schwierigen Situationen die Hoffnung nicht verliert: Vertrauen und ein tiefer Glaube sind dabei wohl die wichtigsten Eigenschaften. Als Christen aber haben wir es insofern leichter als Ijob, weil wir wissen, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus bis in den Tod und das Leid hinein ganz auf unsere Seite getreten ist. Er kennt unsere Situation und kann mit unserer Schwäche mitfühlen. Ein weiterer Hoffnungsanker sind die Menschen, die uns an der Hand nehmen und durch ihr Beispiel helfen können.
Das II. Vatikanische Konzil hat das in seiner Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" mit den Worten zum Ausdruck gebracht: "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst - der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi." So darf und soll es Zeiten ausgelassener Freude wie die Fastnachtszeit geben - noch wichtiger aber ist die Haltung der inneren Glaubensfreude, die sich in Hoffnung, Gelassenheit uns Zuversicht ausdrückt. Nicht nur der Pfarrer, der in Fastnacht einmal in die "Bütt" geht und die Menschen zum Lachen bringt, gibt ein Glaubenszeugnis, sondern jeder, der in seinem Alltag aus einer inneren Freude und Hoffnung heraus lebt, die ansteckend und überzeugend ist. "Geborgenheit im Letzten gibt Gelassenheit im Vorletzten", hat Romano Guardini einmal gesagt. Die Kirche braucht heute mehr denn je diese frohe, gläubige Gelassenheit. Mit ihr kann sie auch in schweren Zeiten hoffnungsvoll nach vorne schauen und mutig in die Zukunft gehen.
Den spirtuellen Impuls für den Februar 2012
schrieb P. Basilius Ullmann OCIst |