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Ausdruck vom 05.09.2010 09:50 Uhr, erstellt am Mittwoch, den 04. August 2010 um 10:26 Uhr, zuletzt geändert am Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 25. August 2010 um 09:44 Uhr
Regel des hl. Benedikt von Nursia
Mehr als 1500 Jahre.

Die Regel des heiligen Benedikt ist mehr als 1500 Jahre alt, dennoch ist sie bis heute der Leitfaden für das abendländische Mönchtum geblieben. Nicht nur die Mitglieder des Benediktiner-, Zisterzienser-und Trappistenordens, sondern auch zahlreiche Christen in der Welt gestalten als Oblaten aus dem Geist der Regel ihr Leben.
Die nachfolgenden Auszüge aus der Regel des heiligen Benedikt schaffen einen ersten Begegnungsraum für alle, die die Regel und ihren Geist näher kennen lernen möchten.
Alle Texte sind dem Buch „Regula Benedicti – Die Benediktusregel“, herausgegeben im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz, erschienen im Beuroner Kunstverlag 1992, entnommen:
Der Weg zu Gott
Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat! Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten. Bei dieser Gründung hoffen wir, nichts Hartes und Schweres festzulegen. Sollte es jedoch aus wohlüberlegtem Grund etwas strenger zugehen, um Fehler zu bessern und die Liebe zu bewahren, dann lass dich nicht sofort von Angst verwirren und fliehe nicht vom Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders sein als eng. Wer aber im klösterlichen Leben und Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.
Aus dem Prolog
Die brüderliche Gemeinschaft
Die Mönche sollen einander in gegenseitiger Achtung zuvorkommen; ihre körperlichen und charakterlichen Schwächen sollen sie mit unerschöpflicher Geduld ertragen; im gegenseitigen Gehorsam sollen sie miteinander wetteifern; keiner achte auf das eigene Wohl, sondern mehr auf das des anderen; die Bruderliebe sollen sie einander selbstlos erweisen; in Liebe sollen sie Gott fürchten; ihrem Abt seien sie in aufrichtiger und demütiger Liebe zugetan. Christus sollen sie überhaupt nichts vorziehen. Er führe uns gemeinsam zum ewigen Leben.
Aus dem 72. Regelkapitel: Der gute Eifer der Mönche
Der Obere
Der Abt lasse sich vom Gespür für den rechten Augenblick leiten und verbinde Strenge mit gutem Zureden. Er zeige den entschlossenen Ernst des Meisters und die liebevolle Güte des Vaters. Er muss wissen, welche schwierige und mühevolle Aufgabe er auf sich nimmt: Menschen zu dienen und der Eigenart vieler zu dienen. Nach der Eigenart und Fassungskraft jedes einzelnen soll er sich auf alle einstellen und auf sie eingehen. Wegen des vielleicht zu geringen Klostervermögens soll er sich nicht beunruhigen; vielmehr bedenke er das Wort der Schrift: „Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit und alles andere wird euch dazugegeben.“ (Mt 6,33) Wenn er mit seinen Ermahnungen anderen zur Besserung verhilft, wird er selbst von seinen Fehlern geläutert.
Aus dem 2. Regelkapitel: Der Abt
Gäste und Bedürftige
Alle Fremde, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35). Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern. Vor allem bei der Aufnahme von Armen und Fremden zeige man Eifer und Sorge, denn besonders in ihnen wird Christus aufgenommen. Das Auftreten der Reichen verschafft sich ja von selbst Beachtung.
Aus dem 53. Regelkapitel Die Aufnahme der Gäste.
Gottes Gegenwart und das Gebet
Überall ist Gott gegenwärtig, so glauben wir, und die Augen des Herrn schauen an jedem Ort auf Gute und Böse. Das wollen wir ohne Zweifel glauben, wenn wir Gottesdienst feiern. Denken wir daher immer an die Worte des Propheten: „Dient dem Herrn in Furcht“ (Ps 2,11). „Singt die Psalmen in Weisheit“ (Ps 47,8). „Vor dem Angesicht der Engel will ich dir Psalmen singen (Ps 138,1).
Aus dem 19. Regelkapitel: Die Haltung beim Gottesdienst.
Arbeit und Lesung
Müßiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten Zeiten mit heiliger Lesung beschäftigt sein.
Aus dem 48. Regelkapitel: Die Ordnung für Handarbeit und Lesung.
Einige Werkzeuge der geistlichen Kunst
Vor allem: Gott, den Herrn, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst.
Seine Hoffnung Gott anvertrauen.
Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.
Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben.
Seinen Mund vor bösem und verkehrtem Reden hüten.
Das viele Reden nicht lieben.
Heilige Lesungen gern hören.
Sich oft zum Gebet niederwerfen.
Nicht heilig genannt werden wollen, bevor man es ist, sondern es erst sein, um mit Recht so genannt zu werden.
Gottes Weisungen täglich durch die Tat erfüllen.
Die Älteren ehren, die Jüngeren lieben.
Nach einem Streit noch vor Sonnenuntergang zum Frieden zurückkehren.
Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln.
Die Werkstatt aber, in der wir das alles sorgfältig verwirklichen sollen, ist der Bereich des Klosters und die Beständigkeit der Gemeinschaft.
Aus dem 4. Regelkapitel: Die Werkzeuge der geistlichen Kunst
Die Regel als Anfang
Diese Regel haben wir geschrieben, damit wir durch ihre Beobachtung in unseren Klöstern eine dem Mönchtum einigermaßen entsprechende Lebensweise oder doch einen Anfang im klösterlichen Leben bekunden. Wenn du also zum himmlischen Vaterland eilst, wer immer du bist, nimm diese einfache Regel als Anfang und erfülle sie mit der Hilfe Christi. Dann wirst du schließlich unter Gottes Schutz zu den oben erwähnten Höhen der Lehre und der Tugend gelangen.
Aus dem 73. Regelkapitel: Die Regel als Anfang unseres Weges zur vollen Gerechtigkeit
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